Frau Hansen ist dann auch mal weg...

Und so ergab es sich, dass ich im Laufforum die Heike kennenlernte und mit der war ich jetzt in Spanien auf dem Camino de Santiago de Compostela unterwegs.
Eine Woche = 120 Kilometer von Logrono bis Burgos:


Teil 1

Tag 1:
Es ist (Grün)Donnerstag, der 05. April 2012 und ich verlasse um 6:40 Uhr mit einem leichten Kribbeln im Bauch das Haus. Hab ich auch wirklich alles dabei? Ticket, Geld, Pass, Schuhe, Klamotten - ich gehe alles in Sekundenschnelle noch einmal im Kopf durch, bevor ich die Haustüre zuziehe. Einen Schlüssel brauche ich nicht, denn Dirk holt mich ab in einer Woche und abschließen muss ich nicht, denn Flo schlummert derweil seinen seligen Osterferienschlaf. Es ist noch dunkel und ziemlich frisch. Ich schwinge den knapp 10 Kilo schweren Rucksack zum ersten Mal auf meinen Rücken und stapfe durch den dunklen Morgen an meinen Nachbarn vorbei Richtung Bahnhof. Um 07:07 Uhr geht mein Zug bis Düsseldorf Hauptbahnhof, wo ich mich mit Heike treffe. Unterwegs kaufe ich mir zwei Brötchen und fühle mich in meiner Wandermontur wie ein Fremder auf der Durchreise in der heimischen Bäckerei.

Der Zug ist ziemlich leer und ich setze mich ans Fenster, beobachte den neuen Tag, wie er so langsam erwacht. Laufwege, überall sehe ich herrliche Laufwege. Ich versuche umzudenken, ab jetzt heißt es Wanderwege für mich. Entschleunigen ist die Devise dieser Woche. Ich bin wirklich gespannt, wie ich mit der Distanz und dem schweren Rucksack klar kommen werde. Wie wird es mit Heike funktionieren? Schließlich kennen wir uns so gut wie gar nicht, nur vom Schreiben. Machen meine Füße brav mit? Werden die Knie Ärger machen? Die Gedanken hüpfen hin und her, während sich der Zug füllt. Gibt es eigentlich noch Menschen, die ohne Knopf im Ohr unterwegs sind, außer mir, meine ich? Alle, egal wie alt, alle haben Knöpfe im Ohr, hantieren mit ihren Handys, iPods oder MP3-Playern herum. Früher hat man im Zug gelesen...

In Düsseldorf angekommen ziehe ich mir erst einmal mein warmes Fleeceshirt an, die Kälte wird der rote Faden dieser Reise sein - sie zieht sich durch alle Tage hin durch. Ich treffe Heike und wir freuen uns, holen uns erst mal einen wärmenden Kaffee und steigen in den Zug weiter zum Flughafen. Dort angekommen checken wir online ein und es gibt den nächsten Kaffee. Alles läuft wie am Schnürchen. Der Flieger ist voll, es sind auch einige Schalke-Fans dabei, die ebenso wie wir das Ziel Bilbao haben. Nach 1:45 Stunde landen wir auf dem regnerischen Flughafen von Bilbao, und Heike lebt noch ;-)) (sie hat ziemliche Angst beim Start und beim Landen). Schnell bekommen wir unsere in Müllsäcke eingepackten Rucksäcke und steigen ins nächstbeste Taxi, das uns zum Bushof Bilbao fährt. Nach kurzer Wartezeit steigen wir in den Bus, der bis Logrono fährt, es dauert ca. 2 Stunden, bis wir dort ankommen. In Logrono werden wir auf Karel und Judith stoßen, die im selben Hotel wie wir übernachten (Heike kennt die beiden aus dem Pilgerforum). Judith hat heute ihren Camino bei km 0 beendet, Karel ist bereits seit 3 Tagen unterwegs und wird uns eine Weile begleiten. Das Hotel ist ok und nach kurzem Frischmachen gehen wir mit Judith und Karel in die Altstadt zurück, wir haben schließlich Hunger. Logrono ist eine schöne Stadt und wir finden eine Bar, in der wir Pinchos essen und den ersten Rotwein trinken (auch der zieht sich durch wie ein roter Faden). Später, Karel's Beharrlichkeit sei Dank, kommen wir doch noch in den Genuss, die Gründonnerstagsprozession in Logrono erleben zu dürfen. Ein unglaublich beeindruckendes Spektakel! Trommelnde und Kreuze tragende Menschen in Büßergewändern mit KuKluxKlan-Kapuzen verursachen mir eine Gänsehaut - sehr mystisch!

Wir verbringen einen schönen Abend und fallen dann doch recht müde ins Bett - reisen ist anstrengend. Am nächsten Tag gehts gegen 8 Uhr gemeinsam mit Karel los mit unserer ersten Etappe von Logrono bis Ventos; wir lassen es mit 20 km für den ersten Tag ruhig angehen.

Teil 2

 

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