Kopfkrise - oder mein 2. Halbmarathon in Berlin

Am 07. April 2013 lief ich in Berlin meinen 2. offiziellen Halbmarathon, auf den ich mich seit Januar mit einem Trainingsplan vorbereitet hatte. Ich bekam von Dirk den besonderen Ansporn in Form eines Smartphones, das er mir schenken wollte, wenn ich ihn unter einer 6:30er pace schaffte, Eigentlich hatte ich bis dahin ganz gut ohne Smarthphone gelebt, doch scheinbar war mein Ehrgeiz geweckt. Wenn auch wieder schwer, so schaffte ich die 21 Kilometerstrecke mit Tausenden von Mitläufern in der angestrebten Zeit; ein Spaziergang war es auch diesmal nicht, am Ende war ich fix und fertig. So hockte ich zunächst eine Stunde in der kochendheißen Badewanne und konnte mich über meinen Erfolg auch gar nicht richtig freuen. Der Lauf war schrecklich, selbst im Nachhinein, die vielen Menschen gingen mir total auf den Keks, sowohl die Läufer wie auch die Zuschauer und mir tat einfach nur alles weh.

Das hatte zur Folge, dass sich eine handfeste Laufkrise bei mir manifestierte. Ich konnte und wollte vom Laufen nichts mehr wissen. Das Thema hatte für mich gefühlt in unserem Leben einen viel zu hohen Stellenwert eingenommen, alles drehte sich nur noch ums Laufen, Laufen und noch mal Laufen. Ich streikte und lief keinen Meter mehr, und das ganze fünf Monate lang. Das passte im Grunde genommen über die Sommerzeit ganz gut, denn das ist ohnehin nicht meine Jahreszeit zum Laufen. Pro Monat setzte ich ca. ein Kilo zu, fing das Rauchen unmittelbar wieder an und rebellierte gegen mich, Dirk und mein Leben. Die Krise wuchs sich zu einer regelrechten Midlife-Crises aus, ich war mit allem und jedem unzufrieden, ganz besonders mit mir. Erst im Oktober glätteten sich meine Aufruhr-Wogen ganz langsam, nachdem ich Edgar Nemes erneut aufsuchte, fast genau ein Jahr nach dem ersten Besuch. Es half unmittelbar. Ich hörte sofort wieder mit dem Rauchen auf und fing mit dem Laufen wieder an. Gefühlt bei Null Komma Null. Es war schrecklich, wie sich das höhere Gewicht, wie auch die fehlende Kondition und Form gnadenlos bemerkbar machte, ich musste tatsächlich Gehpausen einlegen! Ich, die noch im Frühjahr des selben Jahres 21 km in einem recht passablen Tempo laufen konnte. Es war unfassbar, ich fühlte mich wie ein blutiger Anfänger.

Mit und mit klappte es wieder besser. Aber wohl nur, weil ich meine grundsätzliche Einstellung zum Laufen änderte und jeglichen Druck heraus nahm. Das heisst nur noch aus Spass an der Freude zu laufen, ohne Plan und Ziel, aber mit dem Anspruch, zumindest wieder regelmäßig zu laufen. Das alleine bin ich meinem Körper schuldig, der deutlich aus der Form geraten war: zum Jahreswechsel 2013 wog ich über 80 Kilo - meine Schmerzgrenze war definitiv überschritten. Heute, im Februar 2014, schaffe ich es schon wieder 16 Kilometer am Stück zu laufen und die mit Freude und einem guten Gefühl. Knapp vier Kilo habe ich bis jetzt abgenommen und ich weiss, dass ich auf einem guten Weg bin. Seit knapp 50 Tagen habe ich keinen Alkohol mehr getrunken (habe es auch im Grunde nicht mehr vor) und meine Ernährung habe ich auch etwas umgestellt. Geduld und Durchhaltevermögen heißen jetzt die Zauberworte - ein Anfang ist also wieder gemacht.