Der 32. Vattenfall Halbmarathon in Berlin

Anreise / Messe / Pastaparty
Samstag, 31. März 2012


Ja... Wo fang ich denn an?! Am besten da, wo ich aufgehört habe. Am Freitag kam also endlich die Freude auf Berlin zurück und mit einem sehr guten Gefühl bin ich am Samstagmorgen aufgestanden. Erst mal unter die Dusche, dann den Koffer packen, Kleinigkeit frühstücken und auf zum Flughafen nach Köln. Unterwegs Iris eingeladen, die schon mächtig aufgeregt war (komisch, denn sie läuft doch jeden Sonntag einen Halbmarathon, mindestens!). Im Auto wurde mächtig gehustet und geschnupft und ich zog eine imaginäre Schutzhülle um mich herum - nein! ich bleibe gesund!!! Mit einer leichten Verspätung und Bürger Lars Dietrich an Board starteten wir unspektakulär nach Berlin. Die Landung war ein wenig holprig, denn in Berlin pfiff bereits ein ordentlicher Wind. Der sollte uns mehr oder weniger heftig, aber dafür bitter kalt, die ganze Zeit erhalten bleiben. Es grenzt somit wirklich an ein kleines Wunder, dass ich die Zeit ohne Erkältung überstanden habe. Mit dem Taxi gings zum Hotel Park Plaza, wo wir uns nur kurz aufhielten und dann direkt weiter zum Flughafen Tempelhof starteten, um dort unsere Startunterlagen abzuholen und die Messe zu besuchen. Dort wollten wir uns auch mit Hupsi und Ines treffen. Die Entfernungen in Berlin sind immer wieder gigantisch (wohl nicht nur) für jemanden, der aus Herzogenrath kommt. Die Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel ist traumhaft und günstig obendrein. Im Charme des alten Flughafengeländes bekamen wir zügig die Unterlagen und T-Shirts und konnten dann in Ruhe durch die Messestände streunen. Na ja, nicht ganz in Ruhe, denn es war verdammt voll. Dann das erste Aufeinandertreffen mit Hupsi und Ines, es war so herzlich wie erhofft und bereits nach wenigen Minuten so vertraut, als würde man sich schon ewig kennen. Läufer unter sich halt. Draußen ging derweil ein wenig die Welt unter, es hagelte, schneite sogar ein wenig und stürmte heftig um den Hanger - die Wetteraussichten für den Sonntag waren glücklicherweise deutlich besser.

 

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Die Armada der LKW für die Kleiderbeutel - Hammer!

“Schnappt euch die Kenianer!!!”

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Dirk und ich am Alex (links) sowie Hupsi, the duckman, und Iris, die Flitzmaus.

Die beiden nahmen uns dann im Auto mit zum Restaurant, wo Manuela die Pastaparty für uns organisiert hat, langsam bekam ich doch ein Hüngerchen und wenn ich Hunger habe, werde ich schon mal gerne unangenehm. Dort angekommen saßen bereits weitere Lauffreunde aus dem Facebook, allen voran die liebe Manuela, an einem Tisch, der für 30 Personen gedacht war, wieder wurde sich herzlich begrüßt. Weitere gleich große Tische im Raum füllten sich ebenfalls fleißig mit Läufern - herrlich! Sonja und Imke aus Hamburg, die wir aus dem Laufforum kennen und beim HM in Hamburg 2011 erstmalig trafen, kamen mit ein wenig Verspätung, wie schön, auch sie hier wiederzusehen. In gemütlicher Runde mit dem Lieblingsthema Nr. 1 aßen wir Pasta, Pizza und Bruscchetta, tranken ein Bier und plauderten wild drauf los. Es fehlten lediglich zwei mir bis dahin noch unbekannte Läufer aus Bremen in dieser Runde, aber dazu komme ich später noch. Um 20 Uhr wurden wir leider ein wenig plötzlich zum Zahlen genötigt, denn die Reservierung ging nur über 2 Stunden, der Tisch wurde wieder benötigt. Da wir bereits recht geschlaucht von der Reise waren, verabschiedeten wir uns, verabredeten uns für 9:45 Uhr am Kaffee Alberts im Startbereich und machten uns wieder auf zum Hotel. Dort tranken wir noch ein Schlummerbier und so fiel ich kurz vor 22 Uhr todmüde ins Bett, das frühe Aufstehen in der ganzen Woche, die Zeitumstellung, die ganzen Meter bereits durch Berlin, all das kam jetzt raus, meine Beine waren schwer und die Füße taten weh - super! Wenn ich jetzt laufen müsste, na Prostmahlzeit!


Der große Tag
Sonntag, 01. April 2012



Am nächsten Morgen wurde ich wach, bevor das Handy klingelte und ich war wie ausgewechselt: die Laune gut, die Beine fit, wunderbar! Die Sonne zeigte sich an einem blauen Himmel und der Wind hatte merklich nachgelassen, die Außentemperatur um 8 Uhr betrug 0 Grad. Meine Aufregung hielt sich in Grenzen, immer wieder sagte ich mir, dass ich die Distanz drauf habe und ohnehin nicht Attacke laufen werde, wie Hupsi es immer so schön nennt, wenn man Vollgas gibt, also was soll denn passieren?! Beim Frühstück (ich habe 3 Toast gegessen!) eröffnete uns ein etwas niedergeschlagener Dirk dann, dass er nicht seine persönliche Bestzeit angreifen wird, da der Husten immer noch nicht besser geworden ist und nun sogar vom Mistwetter des Vortags eine verstopfte Nase hinzu kommen ist. Er wollte somit sein Versprechen einlösen, mich bei meinem ersten Halbmarathon zu begleiten, was mich natürlich sehr freute, wenn es mir auch für ihn sehr leid tat.

Dann zogen wir dick eingepackt mit Kleiderbeutel unterm Arm los. Der erste Schritt nach draußen wurde mit einem "Das Wetter ist perfekt!" von uns allen Dreien kommentiert. Leider pfiff aber an der nächsten Ecke schon wieder dieser blöde Wind, wenn auch nicht ganz so heftig wie am Vortag. Trotzdem waren die Bedingungen sehr gut. Mit der S-Bahn (oder der Tram - ich lerne es nie! Und Iris übrigens auch nicht... ;-)) fuhren wir zum Alex. Es wimmelte bereits von Läufern in der Bahn und auf den Straßen, die bereits abgesperrt waren. Wahnsinn, die Masse an Menschen, die hier auf den Beinen war! Der Startbereich war beeindruckend, die Skater liefen sich hier gerade ein wenig warm. Schnell fanden wir die anderen am vereinbarten Treffpunkt, aber Dirk und ich hatten ja noch eine andere Verabredung, denn wir wollten noch kurz den Berliner Laufforis Hallo sagen. Spätestens seit diesem Wochenende braucht mir keiner mehr mit "Zufällen" zu kommen, da ich ohnehin schon immer an Bestimmung geglaubt habe! So stehe ich denn am Kaffee Alberts, es werden noch Fotos gemacht, es wird geplaudert, als mir ein Hüne erscheint, den ich aus dem Internet "kenne". Mit knapp 2 Metern Körpergröße ist es auch nicht schwer, Rene nicht zu sehen (vorausgesetzt, man weiß, wie er aussieht). Hocherfreut rufe ich seinen Namen und wir begrüßen uns herzlich. Gemeinsam begeben wir uns zum vereinbarten Treffpunkt, wo die anderen hoffentlich auf uns warten. Und tatsächlich, auf einer Bank sitzt LumberLouie, um die Ecke kommt Immanuel Blunt und auch Talerson ist dort. Wie schön! Rene ist ein wenig traurig, weil er auf Grund einer Verletzung nicht mit laufen kann, Louie ist sehr nervös, IB und Talerson wirken recht entspannt. Dann wird es auch schon Zeit, Richtung Startblock zu marschieren. Wir verabschieden erst von Thomas und dann von Rene, von Aufregung bei mir immer noch keine Spur. Am Kaffee Alberts wird noch mal allerseits Glück gewünscht und die Wege trennen sich vorerst. Dirk und ich verschwinden in eine Seitenstraße um noch einmal zu pinkeln, die zahlreichen Dixi-Klos sind mit Riesenschlagen belagert. Wir laufen uns ein wenig warm und stellen uns dann zu den vielen tausend anderen Läufern in den Pulk des Startblocks E (dem Spaßblock). Mit Musik und Klatschen werden wir heiß gemacht und dann, als es endlich 20 Minuten später los geht als für Block A, meint der Sprecher zu uns: "Los, schnappt euch die Kenianer!" Tolle Atmosphäre, wir setzen uns gehend in Bewegung, der Tross ist endlos. Und dann die Uhr abgedrückt, als wir die Matte passieren, die ersten Schritte werden gelaufen. Ich fühle mich großartig, ja, das ist mein Tag! Lächelnd der Sonne entgegen, leichtfüßig und mit Dirk an meiner Seite gehen die ersten Kilometer vorbei, es ist voll und es wird voll bleiben um uns herum. Dirk fotografiert fleißig drauf los. Wir nähern uns dem Brandenburger Tor, ein absolutes Hochgefühl überkommt mich. Ich laufe mitten durch und berühre die kalte Mauer des Tores voller Ehrfurcht. Doch leider wird mein Grinsen kurze Zeit später von einem Bild eingefroren, das ich gerne nicht gesehen hätte: Ein Mann liegt leblos am Rand der Laufstrecke und wird mit einer Herzmassage bearbeitet, zwei Polizisten stehen daneben. Ich bin geschockt und eine Gänsehaut am ganzen Körper ergreift mich. Als Sekunden später zwei Sanitäter mit dem Motorrad auf der anderen Seite angeschossen kommen, bete ich ganz kurz, der Mann möge doch bitte überleben! Tränen schießen mir in die Augen, ein Kloß sitzt in meinem Hals und ich zwinge mich, ganz schnell an etwas anderes zu denken. Bei dieser Masse an Menschen ist es sicher nicht ungewöhnlich, dass so etwas passiert. Aber bis dahin waren es gerade mal 5 Kilometer! Es fällt mir schwer, die Gedanken los zu lassen und mich wieder auf die Strecke zu konzentrieren. Ich achte vermehrt auf die Musik in meinen Ohren und irgendwann läuft es wieder gelassener.

 

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Durchs Brandenburger Tor!

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Noch läufts locker im grünen Bereich.

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Bei Kilometer 10 wird die Zwischenzeit genommen und bis dahin lief es perfekt, die erste kleine Trinkpause wird eingelegt. Bei km 12 habe ich plötzlich ein heißes Blitzgefühl unter dem rechten Mittelfuß. So plötzlich wie es gekommen war, war es wieder weg. Dieser heiße Blitz kommt bei km 14 wieder und ich bekomme blöde Gedanken. Hoffentlich ist da nicht irgendwas gerissen. Vermutlich würde das aber richtig weh tun. Hm, schon seltsam. Nun, ab da horche ich auf jeden Fall extrem in mich hinein. Am kleinen Zeh fängts an weh zu tun. Ein bisschen Zuviel an Stoff meiner Socke drückt auf den Zehnagel, wie sich später raus stellt. Bei km 15 fängt das rechte Knie auch noch an zu mucken. Ich versuche locker zu bleiben, doch ich merke, wie die Kräfte langsam schwinden. Die Kilometerschilder kommen in immer größeren Abständen, ich versuche mich abzulenken und mich an den Sambagruppen und anderen Bands entlang der Strecke zu erfreuen, habe inzwischen schon beide Buffs an Dirk abgegeben, welch ein Glück, dass er neben mir läuft, das tut gut. Weiter gehts. Zeh tut weh, Knie muckt und der Rücken fängt auch an. Kilometer 18, jetzt sind es nur noch gute 3 Kilometer, die schaffst du auch noch. Immer wieder der Blick auf die Uhr, ich werde immer langsamer. Die letzte Wasserstation lasse ich aus, ich will nicht mehr stoppen, habe Angst, danach nicht weiter laufen zu wollen. Hupsi kommt uns entgegen, wie versprochen. Er schießt ein Foto von uns, ich laufe wie im Tunnel weiter. Die letzte Kurve, Massen an Zuschauer, die Zielgerade. Von einer Euphorie gepackt laufe ich mit Dirk an der Hand über die Matte und bin einfach nur happy. 2:23 Stunden sagt der Forerunner. Im Ziel werden meine Beine leicht wackelig, ein erstes Foto, etwas zu trinken, eine wärmende Plastiktüte, ein Stück Banane. Geschafft, die Medaille hängt um meinem Hals, aufkeimende Tränen werden wieder weg gedrückt.

Später sitze ich in der kochend heißen Badewanne im Hotel und grinse. Ich grinse einfach nur und genieße die wohlige Wärme in meinen Knochen. Ich habs geschafft, ich bin meinen ersten, offiziellen Halbmarathon gelaufen und habe mein Ziel, unter einer pace von 7 zu bleiben, erreicht! Ich freue mich.
 

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KM 20,5 - Hupsi kommt uns entgegen.

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Man achte bitte auf die Medaille! Und nein, wir waren nicht im Ski-Urlaub, wir waren tatsächlich in Berlin!

Im Ziel

Im Ziel! So fertig seh ich aber gar nicht aus!