Der Lichterlauf in Duisburg 2010

Ja, wo fang ich an? Ich sitze hier, immer noch grinsend und mit vor Stolz geschwelter Brust, und schaue immer wieder auf meine Zeiten und die Urkunde "meines ersten 10ers": Platz 43 in der Altersklasse, Gesamtplatz 237, Zeit 1:05:44, somit eine pace von 6:32. Das heisst, ich habe mein Ziel, unter 7 zu kommen klar erreicht! Und dass der Schatzi (seine Zeit war 48:19) nun die neuen Laufschuhe sponsert, war dabei völlig nebensächlich. Dass meine Herzfrequenz beim Lauf "nur" bis auf 153 bpm war, ist ausserdem noch sehr erfreulich.

Doch nun zum Lauf. Alles in allem war der Tag schon mit guten Vorzeichen versehen, ich war überaus entspannt und freute mich auf den Lauf am Abend. Gegen 17.30 Uhr machten wir uns gemütlich auf den Weg nach Duisburg, ich war immer noch nicht aufgeregt. Unterwegs zeigte sich das Wetter von seiner April-Seite. Von 17 Grad mit Sonnenschein bis hin zu Platzregen bei 10 Grad, das Ganze im ständigen Wechsel, begleitet von wunderschönen Regenbögen - wieder ein gutes Vorzeichen.

In Duisburg angekommen waren wir ganz angetan von der netten Lokation. Ich beneide alle Städte, wo man ums Wasser laufen kann! Duisburg zeigte sich hier nicht von seiner "Schimanski-Tatort-Schmuddel-Ruhrpott-Seite", die ich bislang nur kannte, im Gegenteil! Es herrschte schon reges Treiben, gerade fing der Staffel-Lauf an. Wir schlenderten erst mal Richtung Regatta-Haus um unsere Startunterlagen abzuholen. Noch ein Ründchen gedreht, ein wenig beim Lauf zugeschaut, allmählich wurde es doch frisch und wir hatten unsere dicken Fliesjacken bereits an. Da wir nicht genau wussten, wo wir unsere Sachen deponieren sollten, gingen wir noch mal zum Parkplatz, zogen uns am Auto um und packten nur noch eine Tasche mit dem Nötigsten. Monika aus dem Laufforum rief kurz an, um zu fragen wo wir sind. Doch sie trafen wir erst nach dem Lauf im Zielbereich.

Der Start rückte näher und die Zahl der Läufer mehrte sich enorm. Wo kamen die plötzlich alle her? Aus Angst, überrollt zu werden und aus Rücksicht auf die Raser, reihte ich mich weiter hin ein. Ich meinte noch zu Dirk, dass irgendwas hier absolut nicht stimme, denn ich hatte von Nervosität keine Spur. Das konnte doch nicht sein! Ich bin doch immer ein absolutes Nervenbündel und mir wird förmlich schlecht vor Aufregung. Ich versuchte den Gedanken, dass möglicherweise etwas Schlimmes geschehen würde, was mich zu einem vorzeitigen Aus nötigte, zu verdrängen.

Dann ging es los und wir gingen im Pulk bis zur Matte im Startbereich. Ich drückte meine Uhr an, lief los und erst da überrollte mich eine heftige Welle der Angst und Nervosität. Mir wurde ganz kurz übel und ich fürchtete, mein Magen-Darmtrakt würde versagen. Im Kopf überschlugen sich die Gedanken, was mir jetzt noch bevorstand: 9.800 Meter, die ich so schnell und gut es ging mit Hunderten gemeinsam laufen "musste". "Das schaff ich nicht!" - "Das schaff ich locker!" - "Klar, sicher schaff ich das!" - "Oh mein Gott, was tu ich hier?!" waren so die Gedanken, die mir kurz das Leben etwas schwer machten. Währenddessen liefen meine Beine einfach weiter, von Beginn an unter 7, während ich mich erstmal mit der Dunkelheit anfreunden musste. Ich bin nur einmal vor Jahren im Dunkeln gewalkt, aber noch nie gelaufen. Das war schon gewöhnungsbedürftig, denn trotz der Lampen, für die wir ja hier unterwegs waren, war es dennoch dunkel. Mit Gottvertrauen lief ich also weiter und war froh für die beiden jungen Männer neben mir, die mir die ersten beiden Kilometer (die mir verdammt lang vorkamen) mit ihrem Geplauder versüssten. Immer wieder kamen Läufer von hinten an uns vorbei. Ich merkte schnell, dass meine Beine gut drauf waren, während ich atemtechnisch noch ein wenig den Rhythmus suchte. So schaltete ich die Zweitakter-Maschine ein und es ging besser. Die Strecke war einfach toll und ich wünschte sehr, dass wir so was auch in Herzogenrath hätten. Das Feld setzte sich dann ein wenig ab und ich lief relativ alleine, wobei ich versuchte, mein Tempo gleichmässig zu halten. Bei Kilometer 5 setzte ich meine Kopfhörer auf, denn obwohl es nun gefühlt "nach Hause" ging, fing mein Kopf ein wenig an zu jammern. Die Musik beruhigte mich und gab mir Sicherheit. Meine Lieder, mein Rhythmus, klar schaff ich das! Gleichmässig setzte ich meine 2. Runde fort, während uns die ersten Topläufer überrundeten. Ein kritischer Blick nach hinten, um zu sehen, ob ich nicht doch die Letzte war. Gut so, da sind noch welche.

Kurz vor dem Ziel sah ich meinen Schatz mit der Kamera auf mich warten. Ich winkte ihm zu. Knips, und dann lief er noch ein paar Meter neben mir und meinte, dass ich eine gute Zeit und ein schönes Tempo laufen würde. Zumindest glaubte ich das zu verstehen durch meine Musik. Da ging mir dann allmählich die Puste aus. Oder mehr meinem Kopf?! Das Ziel war in Sicht, die Stimmung an der Strecke toll. Ein Blick auf die Uhr zeigte eine 1:06 an, während ich die Arme hoch riss und über die Matte lief. Ich hörte sogar noch, wie der Sprecher "Marion Hansen aus Herzogenrath" sagte! Ein Hochgefühl überkam mich, geschafft! Mein Schatz klatschte mich ab und ich fiel in seine Arme, grinsend und glücklich. "Super Zeit!" sagte er immer wieder. Ich holte mir was zu Trinken und da kam auch schon eine uns suchende Monika, die ich ja bislang nicht persönlich kannte, und dann auch noch die Astrid aus dem Laufforum dazu.

Wir plauderten und holten unsere Urkunden ab, wo schwarz auf weiß zu lesen war: 1:05:44. Wie geil! Wir tranken noch ein Bier (alkoholfrei versteht sich), warteten noch die Verlosung ab. Es war kalt und mir tat der Rücken weh. Schliesslich waren wir seit 19.00 Uhr ununterbrochen auf den Beinen, die inzwischen auch weh taten. Als wir um 23 Uhr im Auto sassen, war ich froh, endlich aus der Kälte raus zu sein. Unterwegs gabs dann noch einen Big Tasty zur Belohnung und nach einem kurzen Nickerchen konnte ich endlich gegen 0.30 Uhr in mein langersehntes Bettchen fallen. Es war herrlich, als der Schmerz im Liegen nach liess und die Wärme mich so umhüllte.

Glücklich und zufrieden schlief ich dann ratzfatz ein.

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