Die Geliebte meines Mannes

Ich weiss gar nicht mehr genau, wann es angefangen hatte mit ihr und ihm. Aber es kam der Tag, an dem ich feststellte, dass ich richtig eifersüchtig war und es nicht mehr verbergen konnte. Immer mehr Zeit verbrachte mein Mann mit ihr, diesem Laster, dieser vermeintlich sinnlosen Zerstreuung, die mir und meiner Person mehr und mehr Aufmerksamkeit und Zweisamkeit stahl. Er investierte nicht mehr nur Zeit sondern jetzt auch noch Geld, und es war egal, ob er in Frankfurt oder München war - seine neue Geliebte reiste mit ihm und wurde immer mehr ein fester Bestandteil seines Lebens.

Männer können ja grundsätzlich sehr konsequent sein, vor allem, wenn es um ihre Hobbies oder Freizeitaktivitäten geht. Da kennen sie keine Gnade, da werden Termine rigoros eingehalten, da wird nichts verschoben, da wird Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit realisiert werden kann, was unvermeidbar ist. Wenn der besagte Fussballclub nun mal ein Heimspiel hat, dann ist das so! Alles richtet sich nach der Verabredung; Essen, aufstehen, Termine mit Freunden - die ganze Wochenendplanung! “Ich kann doch nichts dafür, dass die von Arena / Sky so dämliche Zeiten fest legen!”

Das Schlimme an der ganzen Sache ist, dass das Internet als Komplize dient und jederzeit und überall zur Verfügung steht, wenn kein persönlicher Austausch zwischen den Liebenden stattfinden kann, die ein Band verbindet, welches, das nachzuvollziehen mir sehr schwer fällt, extrem stark sein muss.

Aber, meine Freunde, - wer wäre ich, wenn ich keine Frau wäre?! Wer wäre ich, wenn ich nicht sagen würde: Was er kann, kann ich schon lange! Ich bin schliesslich eine Frau, ich bin multi-tasking fähig, ich kann darüber hinaus Kinder kriegen und ich kann außerdem auch so kochen, dass alles gleichzeitig fertig ist (und dazu noch schmeckt)!

Ha! Jetzt bist du dran, mein Junge ... “Nenn mich nicht Junge!” Die Drohung war unmissverständlich, als ich ihm vorwarf, keine Zeit mehr für mich zu haben, mich kläglich zu vernachlässigen. Keine Chance. “Du bist ja nur neidisch, weil Du Deine Freizeit nicht so ausleben kannst, wie ich es tue.” Er sagte es ruhig und ohne Boshaftigkeit, wie es eine Frau niemals tun würde. Und? Er hatte Recht!.

Ich resignierte. Seine Geliebte war so mächtig, dass ich nur noch den kläglichen Versuch wagte, mich einzuklinken - immerhin waren wir ja miteinander verheiratet und ich hatte gewissermassen auch Rechte. Ja, kein Scherz. Ich wollte diese unliebsame Affäre zu einem “flotten Dreier” umfunktionieren und sprang über meinen überdimensionalen Schatten der Verzweiflung...

Und so kam es, dass er mir meine neuen Joggingschuhe aus dem Fachgeschäft kaufte, inklusive Laufbandtest. Das Glänzen lag unverkennbar in seinen Augen, als er jeden meiner Schritte auf dem Laufband im Runner’s Point verfolgte. Ja, ich bin ein Überpronierer (was ich zuvor noch nicht wusste) und nun können entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Die in Frage kommenden Schuhe wurden aufgetürmt und ich probierte ein Paar nach dem anderen, bis ich meine Brooks fand. Stolz kaufte er mir noch ein grünes “Life is running”-Band zu Gunsten des Behindertensports für einen Euro, weil ich ja jetzt dazu gehörte, zum heiligen Bund der Läufer und Nordic Walker Verachter. “Aber eins ist klar: Du fängst jetzt wirklich wieder mit dem Laufen an?!” Das “Fräulein” und ein fettes Ausrufezeichen dahinter war unumstritten zu erahnen, wenn nicht sogar zu hören ...

Und ich? Ich war so stolz und freute mich auf den ersten Lauf mit meinen neuen, richtig guten Laufschuhen. Ich trug sogar eigenhändig die Tüte vom Fachgeschäft zum Auto.

Und der erste Lauf nach all der Zeit des Walkens? Er war grossartig - die Behelfsstöcke fehlten mir nicht wirklich, im Gegenteil, endlich kam ich schneller voran, meinem inneren Drang folgend.

Ja, ich konnte sie nun verstehen, seine Leidenschaft zu ihr... ,
... der Lust am Laufen :-)).

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